Stolperstein für Frau Maria Wackers, geb. van Aaken
Am 23. November 2016, 9:30 Uhr, wird in Kevelaer der erste Stolperstein auf der Maasstraße verlegt.

Rund ein Jahr hat es gedauert, bis sich nun der Wunsch von Frau Elisabeth Wackers aus Berlin erfüllt: Ein Stolperstein als Erinnerung an ihre verstorbene Mutter Maria Wackers, geb. van Aaken, die zum Kriegsende ein Opfer der nationalsozialistischen Euthanasie wurde. Am 23. November 2016, um 9:30 Uhr, wird der 10 x 10 cm große Stein aus Messing vor dem ehemaligen Wohnhaus der Verstorbenen, Maasstraße 35, durch den Künstler und Initiator des Projekts, Gunter Demnig, persönlich eingesetzt. „Viele Verwandte haben sich bereits angekündigt, an der Stolpersteinverlegung teilzunehmen“, freut sich Frau Wackers. „Sie kommen mit ihren Familien, um ein Zeichen gegen das Vergessen zu setzen. Die Anteilnahme ist überwältigend. Auch Bürgermeister Dr. Pichler und Pastor Lohmann haben ihr Erscheinen zugesagt.“ Die Stolpersteinverlegung ist öffentlich. Im Anschluss findet um 10:45 Uhr in der Basilika in Kevelaer ein Gedenkgottesdienst statt. Während der Stolpersteinverlegung ist die Maasstraße vorübergehend gesperrt.

Mit dem Projekt „Stolpersteine“ erinnert der Künstler Gunter Demnig seit dem Jahre 2000 an die Opfer des Nationalsozialismus. Derzeit umfasst das Projekt mehr als 55.000 verlegte Steine in 1.600 Orten in Deutschland und anderen europäischen Ländern. Ziel des Initiators ist es, die Namen der Opfer zurück an die Orte ihres Lebens zu bringen. Dies ist auch der Wunsch von Elisabeth Wackers, die lange darum gekämpft hat, dass ihre Mutter als Euthanasieopfer anerkannt wird.

Maria Wackers wurde im Februar 1906 in Kevelaer als zweites Kind der Eheleute Peter August van Aaken (Zimmermeister) und Bernhardine van Aaken geboren. 1929 heiratete sie den Bäckermeister Josef-Franz Wackers aus dem Haus „Zum goldenen Krug“. Zwischen 1930 und 1944 schenkte Maria sechs Kindern das Leben. Sie teilte das Schicksal vieler Kriegsfrauen. Ihr widerstrebten jedoch die nationalsozialistischen Werte, denen sie sich nicht anschließen konnte. Das hin und her zwischen Gehorsam und Widerstand gegen die Vorschriften der NSDAP stellten für die starke Frau eine persönliche Zerreißprobe dar. Als der Krieg auch in Kevelaer immer spürbarer wurde, wurde die Familie auseinandergerissen. Im Dezember 1944 wurde zuletzt auch Maria gemeinsam mit ihren beiden ältesten Söhnen zur Gau Magdeburg evakuiert. Nachdem der Zug bei der Bombardierung von Osnabrück stark in Mitleidenschaft gezogen wurde, erlitt Maria einen Nervenzusammenbruch und wurde in die Nervenheilanstalt Uchtspringe eingeliefert. Kurzzeitig kehrte sie von dort Weihnachten 1944 zu ihrer Familie zurück, musste aufgrund ihres Krankheitsbildes jedoch zurück in das einzig verfügbare Krankenhaus nach Uchtspringe. 13 Tage später erhielt die Familie die überraschende Nachricht, dass Maria Wackers verstorben sei. Ihr Ehemann, der im Krieg ein Bein verloren hatte, reiste schwer verwundet mit seiner Schwägerin und den Kindern zur Beerdigung ins 60 km entfernte Uchtspringe, jedoch gab es keine Bestattung, wie ihnen mitgeteilt wurde. So konnten die Angehörigen nicht mehr Abschied nehmen, sondern nur eine „Grabnummer“ entgegennehmen. Aufgrund umfangreicher Recherchen der Familie ist heute bestätigt, dass die Kevelaererin Maria Wackers, geb. van Aaken, in der Nervenheilanstalt Uchtspringe ein Opfer des Hitler’schen Euthanasieerlasses wurde, d.h. aufgrund ihrer psychischen Erkrankung getötet wurde. Künftig erinnert ein Stolperstein in Kevelaer an Maria Wackers und ihr Schicksal, damit sie und alle Menschen, die während der NS-Zeit ohne Grund verfolgt oder getötet wurden, nicht vergessen werden. Des Weiteren sollen die Steine dazu beitragen, dass solche Geschichten nie wieder geschrieben werden müssen.