Eine große Anzahl von Persönlichkeiten, die im parteipolitischen aber auch im gesellschaftspolitischen Bereich haupt- oder ehrenamtlich tätig sind, hat ganz offensichtlich den so genannten „demografischen Wandel“ lange als zu vernachlässigendes Thema angesehen, eine nicht geringe Anzahl der Akteure hatten das Thema gar nicht auf ihrer Agenda und reagierte so, als wäre das Problem über Nacht entstanden oder als eine Art Naturereignis, das man nicht voraussehen konnte, über sie gekommen. Mit anderen Worten: unsere Gesellschaft war und ist nicht auf die Folgen der
demografischen Entwicklung vorbereitet und kann daher auch keine konkreten Handlungen daraus ableiten, erklärt die Landesseniorenvertretung in einer Stellungnahme zum „Internationalen Tag der
älteren Menschen“, der am 01. Oktober begangen wird.

Aus dieser Hilflosigkeit entspringen Begriffe wie „Überalterung der Gesellschaft“, eine fast schon diskriminierende Bezeichnung, da sie an Verfallsdaten von Lebensmitteln erinnert. Kein Mensch
würde auf die Idee kommen, bei einer rasant wachsenden Geburtenrate von einer „Überjüngung“ der Gesellschaft zu sprechen. Was aber ist zu tun? Wir müssen bei der Betrachtung der Situation von Seniorinnen und Senioren dazu kommen, auch hier den Begriff der Inklusion anzuwenden. Das heißt, die Gesellschaft insgesamt muss sich den Bedürfnissen der älteren Menschen anpassen, sie also nicht als ein Übel zu betrachten, sondern das politische Handeln zu verändern und auf die Bedürfnisse einzugehen, vor allem: sie ernst zu nehmen. Ein weiterer Aspekt ist, die Potentiale dieser Bevölkerungsgruppe zu nutzen, sie wertzuschätzen. Seniorinnen und Senioren sind Fachleute und Anwälte in eigner Sache und sollen ihre Forderungen und Wünsche im politischen Raum auch vertreten können. Dabei werden die Verantwortlichen feststellen, dass viele Ideen auch gesamtgesellschaftlich von großem Nutzen sind und nicht nur einer Gruppe zugute kommen, wie zum Beispiel das barrierefreie Bauen. Die ältere Generation hat damit eine beratende Funktion für die Entscheidungsträger und dieses Potential sollten Entscheider in Politik und Wirtschaft auch nutzen.
Ein Fehler ist, das Thema „älter werden“ ausschließlich mit der „Pflege“ zu verbinden, wie dies in der öffentlichen Diskussion leider sehr oft passiert. Pflegebedürftig ist nämlich nur ein geringer Anteil der Seniorinnen und Senioren. Daher ist die Fokussierung falsch, präventiv gegen Pflegebedürftigkeit zu arbeiten hingegen begrüßenswert. Wenn die Gesellschaft ihr Verhalten und ihre Einstellung zum Thema „älter werden“ ändert, wird sie feststellen, dass die getroffenen Maßnahmen allen Bewohnern helfen und sie davon profitieren. Die von der Landesseniorenvertretung geforderte Diskussion im Bereich der „Quartiersentwicklung“ ist ein gutes Beispiel eines integrativen Mehrgenerationenenkonzeptes für den Stadt- oder
Ortsteil. Über allem steht aber das Recht der älteren Generation an der Teilhabe oder Partizipation an allen gesellschaftlichen Entwicklungen. Die Statistik zeigt, dass der Anteil dieser Bevölkerungsgruppe stetig steigen wird. Das Handeln muss aber schon jetzt erfolgen, auch wenn es manchem schwer fällt.