Kevelaer ohne Kerzen? Undenkbar! Mit dem Beginn der Wallfahrt zum Gnadenbild beginnt auch die Betreuung und Versorgung der stetig wachsenden Pilgerzahl – und damit die Herstellung von Kerzen in der Marienstadt. Und so blickt auch das ehrwürdige Handwerk des Wachsziehers und Wachsbildners in Kevelaer auf eine alte, gewachsene Tradition zurück. Ihren Anteil daran hat die Kerzenfa-brik Leuker – in vierter Generation führt Peter Leuker jun. heute die Geschicke des Unternehmens.
An der Neustraße 36 findet sich der Familienbetrieb, in dem heute nach wie vor die Kerzen hergestellt werden, die Pilger auf dem Kapellenplatz aufstellen. Natürlich hat sich die Produktionstechnik im Laufe der Jahrzehnte verändert, eines ist aber geblieben: Kerzen herstellen bleibt ein Beruf, der mit Herz und Leidenschaft ausgeübt werden will – und an der Neustraße 36 ganz sicher auch wird.

Ende des 18. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der Kerzenfabrik Peter Leuker. Maria Daniels, die spätere Frau des Peter Leukers, hatte die Zeichen der Zeit schon früh erkannt und versorgte die Pilger mit Gaben aus Wachs: Zähne, Hände, Arme – kleine Votivgaben entsprechend dem „Körperteil“, auf dessen Heilung der fromme Mensch hoffte. In kleinen Mengen wurden auch schon Kerzen hergestellt. Dem Urgroßvater des heutigen Firmenchefs war bald die Idee gekommen, auch eine professionelle Kerzenproduktion zu realisieren: 1907 wurde die Kerzenfabrik Peter Leuker gegründet.
Anfangs wurden die Kerzen in den Kevelaerer Geschäften und an den Kerzenbuden auf dem Kapellenplatz verkauft. Später dann konzentrierten sich die Leukers auf die Versorgung von Kirchen und Klöstern in der näheren und ferneren Umgebung. In den 50er Jahren wurde der Betrieb erweitert – und noch heute entstehen an der Neustraße große und kleine Lichter für den Glauben und das Hoffen. Moderne Maschinen haben weite Teile der Handarbeit zwar abgelöst – aber das individuelle Gestalten von Opfer-, Dank-, Jubiläums- oder besonderer Pilgerkerzen bleibt nach wie vor kreatives Arbeiten mit Seele, Herz und Hand.
Seit 1997 führt Peter Leuker jun. (Jahrgang 1963) die Geschäfte. Wachszieher, wie sein Vater, hat er nicht mehr gelernt. „Dieser Ausbildungsberuf ist mehr im süddeutschen Raum verbreitet. Ich bin Groß- und Außenhandelskaufmann“, so der Firmenchef. Seine Frau Gabi ist der kreative Geist und entwirft und gestaltet die Motive für die Kerzen. Ganz neu: Dank einer bestimmten Folientechnik können die Leukers nun auch Fotomotive auf die Kerzenrohlinge applizieren – Jubiläums- und Gedenkkerzen bekommen damit noch einmal einen ganz persönlichen „Anstrich“.
Nach wie vor liefert die Firma Leuker die Kerzen für die Opferständer am Kapellenplatz. Der größte Anteil der Produktion wird an Kirchen, Klöster, Altenheime und Krankenhauskapellen verkauft. Zu den treuen Kunden gehören auch viele Pilgergruppen, die ihre Kerzen individuell anfertigen lassen. Eine Osterkerze wird jedes Jahr sogar auf den Weg nach Kanada geschickt. So ein bisschen träumt Peter Leuker ja davon, dass er einmal eine Kerze für den Heiligen Vater machen darf – so wie sein Vater anno 1987, der eine mit dem Papstwappen verzierte große Kerze anfertigte – die beim Kevelaer-Besuch von Papst Johannes-Paul II. feierlich entzündet wurde…